Was für ein Tag

Die Vorhersage drohte zum zweiten Juliwochenende mit lauen zwei Windstärken. Da hat Gamle Swede als längstes und schwerstes Schiff bei der Schlank & Rank Regatta 2019 gegenüber den kleineren und leichteren Booten schlechte Karten. Doch bereits bei der ersten Wettfahrt hat der Nordwest auf 3-4 zugelegt. Da hätte eigentlich was gehen können, hätte ich die Partie nicht mit einem falsch angelegten Start vergeigt. An der ersten Wendemarke waren fast alle vor uns. Statt es der Crew nun raumschots in den Fehmarnsund zu ermöglichen, den Spinnaker zum Stehen zu bringen und die Karre aus dem Dreck zu ziehen, habe ich mich on top auf einen überflüssigen Luvkampf eingelassen. Wir segeln aber nicht nach dem K.-o.-System gegen andere Boote, sondern nach Yardstick gegen ein heftiges Handicap, die Zeit. Als schnellstes Schiff müssen wir auf der kurzen Bahn unser Ding machen, fahren, einen deutlichen Vorsprung heraussegeln, um nach berechneter Zeit gegenüber den anderen Teilnehmern zu bestehen.

Regattakurs des erstens Laufes von Schlank & Rank 2019 © SVLF

Der sieben Meilen Kurs des ersten Laufs von Schlank & Rank 2019 © SVLF

In der Pause vor dem zweiten Lauf grüble ich, wie man ein schnelles Schiff wie Swede 55 trotz neuer Fock so schlecht segeln kann. Zwar haben wir auf der Kreuz von der Fehmarnsundbrücke zum Ziel bei zunehmendem Wind aufgeholt und es hat natürlich Spaß gemacht – für einen Platz unter den ersten Drei dürfte es nach diesem Einstand keinesfalls reichen. Da bin ich sicher.

Regattakurs des zweiten Laufes von Schlank & Rank 2019 © SVLF

Der neun Meilen Kurs des zweiten Laufs von Schlank & Rank 2019 © SVLF

Beim zweiten Lauf hat der Nordwest auf 4-5 aufgefrischt. Nach einem flotten Start haben wir den kurzen Am Wind-Kurs zur Wendemarke vor Orth als erster absolviert. Diesmal zieht uns der bald stehende Spinnaker zur Wendemarke mitten im Fehmarnsund. Die gefürchtete „Sonja“, ein ganze fünf Tonnen schwerer klassischer 55er Schärenkreuzer und der versiert gesegelte Jollenkreuzer „Glückskind“, der bei diesem Wind raumschots gleitet, sind deutlich achteraus. Wir lassen naheliegende Patzer aus, packen den Spinnaker rechtzeitig weg, runden die grüne Boje mitten im Sund mit Tempo und pflügen zur Untiefentonne vor Schabernak/Graswarder draußen vor Heiligenhafen.

Tapferer Kampf um die letzten Plätze beim ersten Lauf - Foto Wolf Hansen

Tapferer Kampf um die letzten Plätze beim ersten Lauf – Foto Wolf Hansen

Wir, das sind Lebensgefährtin Maren, die langjährigen Segelfreunde Bruno, Uli und Franz vom Scharmützelsee. Franz ist als Gast gekommen. Er segelt eine RW 9,9, ein sportlich schlankes offenes Kielboot. Wir haben uns gestern zum Spinnakersegeln in Lemkenhafen getroffen. Da wir in dieser Konstellation noch nie zusammen segelten, legten wir nachmittags bei herrlichen 2-3 ab, verteilten die Jobs und setzten vor der Brücke die 130 qm Wundertüte. Maren und Bruno übernahmen das Vorschiff. Uli kümmerte sich um die Spischoten, Franz um das Spinnakerfall, den Spinnakerbaum-Anheber (Toppnant) und Spibaum-Niederholer. Es brauchte einige Halsen, bis das Umstecken des Spinnakerbaums klappte und das bunte Nylon beim Drehen des Bootes unter dem Tuch durchgehend zog. Franz, der noch nie dabei war, fand seinen Platz an Bord. Bruno zeigte als alter Hase Maren vor dem Mast, wie der Baum vorbereitet wird, Fall und Schoten angeschlagen werden. Wie der Spinnaker aus dem Sack kommt und wie er eingepackt wird.

Uli vergegenwärtigte sich noch mal, wie er den Vorschiffsleuten das Schiften erleichtert. Einmal zu früh am Achterholer gezogen oder meinerseits nach der Halse zu schnell geluvt und das Maul des Spinnakerbaums lässt sich kaum am Mast einhängen. Gegen Abend genoss Franz auf dem Rückweg vom Spinnakertraining die Gelegenheit, das Boot eine Weile zu steuern. Obwohl er dank seinem schlanken Renner im Thema ist, war er platt, wie Swede 55 an den Wind geht.

Es läuft wieder. Unterwegs zur Luvboje vor Orth - Foto Wolf Hansen

Im glatten Wasser vor Orth/Fehmarn – Foto Wolf Hansen

Jetzt pflügen wir von der zweitletzten Wendemarke, der dicken roten Tonne im Fehmarnsund, nach Orth. Unsere Bedingungen. Wir bauen den Vorsprung auf dem kurzen 9 Meilen Kurs aus. Fotograf Wolf Hansen hockt im schaukelnden Begleitboot an der Untiefe vor Krumm Steert. Bruno, Maren, Franz und Uli erholen sich bestens gelaunt auf der hohen Kante vom Manöverstreß – und dem ersten Lauf. Guter Dinge kehren wir in den Hafen zurück, wo die Familie von Franz an Bord kommt. Das Beste: Keiner aus der Crew nimmt mich wegen dem Murks am Rad zur Brust.

Wie bei Siegerehrungen üblich wird mit den Letzten  begonnen. Zu meiner Erleichterung werden wir lange nicht genannt. Dann die Sensation: Dank des schnellen zweiten Laufs wurden wir Zweite. Das schönste an den intensiven Stunden auf dem Fehmarnsund aber war für mich, wie wir seit Freitag zu einer Mannschaft zusammenwuchsen und aus dem heutigen seglerischen Wechselbad noch was gemacht haben.

Foto oben von Wolf Hansen: Gamle Swede beim zweiten Lauf vor Krumm Steert im Westen Fehmarns