Das neue Zahnputzfeeling

Kleinigkeiten, die mich beim Bordleben auf Gamle Swede störten, waren undichte Stellen an Deck. Nachdem ich tückische Tropfstellen an Fenstern, Luken und Beschlägen in den letzten Jahren beseitigt hatte, blieb eine beharrlich wie vergeblich gesuchte Leckage am Ankerkasten. So bauten mein handwerklich geschickter und wahrlich zupackender Segelfreund Uli Eichler aus Neubrandenburg und ich im Herbst 19 die vorderste Trennwand (Schott) am Fußende der Vorschiffskoje aus und demontierten bei der Gelegenheit in einem Aufwasch das gesamte Bad gleich mit. Das Waschbecken hatte im Lauf der Jahre Patina. Auch träumte ich seit dem Besuch einer Nobelwerft von einem Waschtisch aus schlicht weißem Corian mit nahtlos eingelassenem Waschbecken. Solche Werftbesuche haben für mich kostspielige Langzeitfolgen.

Im Oktober wurde das vordere Drittel des Bootes ausgeräumt. Die Laminatwinkel der Schottbefestigungen waren bis auf die blanke Bordwand abgeschliffen. Nach dieser üblen Vorbereitung konnte es nur besser werden.

Da sich ein Schott unter Deck eines fertigen Bootes nicht ohne weiteres wechseln lässt, hatte sich Bootsbauer Jan Böhm von der Hamburger Lütje Werft die Sache mal angesehen. Im Vorschiff liegend erklärte Böhm mir im August 19 wie es geht.

Das vorderste Trennwand des Bootes ist zum Einbau vorbereitet

Das vor Ort zugeschnittene und auf der Fläche vorlamininierte Ankerkastenschott – Foto Malsegeln/E. Braschos

Im Januar baute Krumbeck & Staercker in Wentorf bei Hamburg den neuen Corian Waschtisch. Das Teak und Teaksperrholz lieferte Kurt Behn im Februar, Bootsbauer Johannes Schulze von Holz & Kunststoffdesign in Rosengarten bei Hamburg bereitete anhand Mustern und Vorgaben im März die neuen Teile vor. Millimetergenau, pünktlich, mit Schrauben, Querholzdübeln – montagefertig mit beschrifteten Teilen. Beinahe wie bei Ikea. Eine ausgezeichnete Vorarbeit, die Segelfreund Uli und mich beeindruckt hat.

Die Corona-Epidemie im Frühjahr 20 verzögerte den Zusammenbau des Bootes. Die Arbeit im sonnig warmen Mai auf dem aufgebockten Boot war angenehmer als im März und April. Zum Laminieren mit Epoxidharz braucht es trockene Verhältnisse und Temperaturen um die 15°. Kühler als 5° durfte es auch nachts nicht werden, weil das Laminat dann nicht aushärtet. Bestens beraten vom West-System Händler Helge von der Linden kaufte ich Glasfaserstreifen und die richtige Harz-Härter Kombination (West 105 Epoxidharz und den Niedigtemperatur Härter Typ 205, dazu West System 406er Pulver zum Andicken) zum Einkleben des neuen Interieurs im Boot.

Das Badezimmerschott ist fertig zugeschnitten

Die neue Trennwand zwischen Bad und Vorderkajüte aus 12 mm Teaksperrholz fertig für den Einbau im Boot – Foto malsegeln/E. Braschos

Seit dem Einwassern und Auftakeln des Bootes am 20. Mai 20 gucken wir, ob die Vorschiffskojen am Fußende trocken bleiben und genießen das neue Zahnputzfeeling im gehobenem Hotelstandard.

Dank an Segelfreund Hans-Ulrich Eichler für seinen Wahnsinnseinsatz, Jan Böhm von Lütje Yachts für seinen Rat, Johannes Schultze für seine präzise und termintreue Arbeit.