Zur Sache

Es ist in der Messesaison 18/19 viel von der Bente 39 die Rede, einem markanten Design mit mehreren Falzen im Rumpf und transparentem Hardtop. Ich erwähne dieses zwölf Meter Kompaktboot hier, weil es als Trendsetter für die moderne Fahrtenyacht steht: „Es ist für schönes Langstreckensegeln eher mit Raumschotskursen“ bestimmt. „Da wendest Du zwei Wochen lang nicht“ meint Konstrukteur Alexander Vrolijk. So ist es: Charter- und Fahrtentörns werden heute bei vorlichem Wind gedieselt. Allenfalls bequeme Halbwindkurse und solche bei achterlichem Wind werden noch gesegelt.

Ich komme vom Jollensegeln. Für mich ist der am Wind Kurs der interessanteste und der Grund, warum ich vom Segeln den Hals nicht vollkriege.

Flautensegeln vor Orth/Fehmarn - Foto Axel Pohl

Flautensegeln vor Orth/Fehmarn – Foto Axel Pohl

Zur Steigerung dieses Vergnügens montierte ich im Sommer 17 ein größeres Steuerrad, das die ideale Sitzposition rittlings auf dem Süll in Lee mit Blick ins Vorliek der Fock mit den Windfäden zulässt und kleinere, dosierte Kurskorrekturen erlaubt. Dem neuen Rad vorausgegangen war eine längere Optimierung der Ruderanlage zur leichtgängigen und klapperfreien Führung der Ruderwelle. Im Sommer 18 erhielt das Boot dann eine größere Fock. Mit solchen Finessen lässt sich der Spaß dieses am Wind Segelspielzeugs steigern. 

Auch auf der weiten Wasserfläche des Meeres, wo es keine den Wind beeinflussenden Küsten oder Wälder gibt, dreht der Wind ständig. Eine Böe lässt die Brise vorlicher einfallen. Da heißt es je nach Stärke abfallen oder den Drücker mit einem vorübergehend höher gesegelten Kurs annehmen, dann erst abfallen und Fahrt machen. Das Rad steht nie still. Ich dirigiere das Boot in einem endlosen Slalom die unsichtbare, zugleich spürbare Kante des optimalen Windanschnitts entlang. Erst auf dem am Wind Kurs geht es seglerisch zur Sache.

Der Blick wandert vom Windex im Top, über die Windfäden vorne im Tuch zur Logge und zurück. Irgendwann haben die Segelfreunde es anhand der Krängung und dem Geräusch des vorbeiziehenden Wassers raus. Erst beim am Wind Segeln werde ich wie beim Jollensegeln eins mit dem Boot. Dafür, für diesen Genuß mit enormem Suchtfaktor, gehe ich segeln.

Das Rendering zeigt die großen Abstand vom Kiel zum Ruderblatt © Erdmann Braschos

Das Rendering zeigt die großen Abstand vom Kiel zum Ruderblatt © malsegeln

Ab vier Windstärken legt sich das Boot auf die Seite. Die annähernd 13 Meter Konstruktionswasserlinie strecken sich auf 15. Aufmerksam gesteuert läuft das Boot mit der neuen Fock in glattem Wasser am Wind neun bis 9 ½ Knoten. Bei solchen Bedingungen segelt Gamle Swede schneller, als moderne Kompaktboote oder Motorsegler zum Ziel dieseln.

 

Bei fünf Windstärken wird es Zeit für das erste Reff im Großsegel. Natürlich gibt es jedes Jahr Törns mit der Notwendigkeit, sich eine Strecke bei deftig Viel von vorne auch mal zum morgens ausgesuchten Hafen durch zu kämpfen. Nach einem erlebnisreichen Segeltag ist jeder an Bord stolz es bei widrigen Bedingungen geschafft zu haben.

Sicher und vergnüglich Segeln bei Starkwind mit gerefftem Fock und kleiner Starkwindfock

Sicher und vergnüglich Segeln bei Starkwind mit gerefftem Fock und kleiner Starkwindfock

All das entgeht Ihnen an Bord eines modernen Tourenbootes, das für den seglerisch interessantesten Kurs nicht gedacht ist. Dummerweise kommt der Wind beim Segeln immer von dort, wo man gerade hin möchte oder wo das Boot am Ende eines Törns hin muß. Im Hafen bleiben oder dieseln wäre blöd.

Foto oben von Stephan Röpke/Picturecoast: Ein Chartertörn vor Langeland