Ankern in der Wohlenberger Wiek

Wohlenberger Wiek

Das schönste Gewässer der Lübecker Bucht liegt einen Segeltag südöstlich von Fehmarn bei Boltenhagen. Es bietet außer der neuen Marina Weiße Wiek einen ringsum geschützten Ankerplatz. Wir sind bei sanften drei Windstärken unterwegs zum sogenannten Offentief. So heißt die westliche Ansteuerung der Insel Poel und der Wismarer Gewässer.

Im Vorwort zu seiner Magellan-Monografie Der Mann und seine Tat berichtet Stefan Zweig von den täglichen Vexationen des Landlebens. Er erwähnte sie während einer Schiffspassage nach Südamerika in den Dreißiger Jahren. Unsere Reise ist ungleich kürzer. Wir sind nur einige Stunden unterwegs. Dennoch haben wir uns bereits von den Verstrickungen, der Bürde des Alltags gelöst. Diese Art der Entspannung funktioniert an Bord immer: etwas Abstand vom Land, Beschäftigung mit dem Segelhandwerk und die Gedanken lockern sich.

Unterwegs zum Offentief

Unterwegs zum Offentief

Die Lübecker Bucht ist ein ringsum, außer bei seltenem Nordost perfekt geschütztes Gewässer. Es gibt keine Gezeiten, keine Strömung, einzig vor Poel einige Untiefen. Ein Segelrevier wie geschaffen für den Gelegenheitssegler und Wochenendnautiker. Vor dem Offentief ersetzen wir das bunte Nylon des Spinnakers durch ein übliches Vorsegel für Am Wind Kurse. Das Meer plätschert und murmelt. Die Sonne nähert sich dem Horizont und verzaubert alles im warmen Licht des späten Nachmittags. Eine Weile geht es Poel entgegen. Dann biegen wir zur Wohlenberger Wiek ab. Wir zischen die unsichtbare aber spürbare Windkante entlang. Braucht der Segler mehr zum Glück als glattes Wasser und ein Medium, das aus diesen köstlichen Bedingungen ein berauschendes Segelerlebnis macht?

Im Frühjahr leuchten die Rapsfelder über dem bewaldeten Ufer der Wohlenberger Wiek. Im Schutz der Boltenhagener und Tarnewitzer Huk schwappt und wogt das Meer nicht mehr. Die Ostsee glättet sich zum Binnensee. Auf der Liepser Sandbank haben Schwäne, Möven und Reiher ihre Ruhe. Die weit geschwungene Wiek empfängt mit skandinavischer Gelassenheit.

Kreuz in die Wohlenberger Wiek

Kreuz in die Wohlenberger Wiek

Das schlanke, leicht vom Wind geneigte Boot schießt durch’s Wasser. Jede Bö wird wie in beinahe vergessenen Jollenseglerzeiten genossen. Der Mond erscheint im dunklen Blau des Himmels. Der Tag verabschiedet sich in zarten Pastelltönen. Die Bäume am Ufer werden größer. Die Segel rutschen an Deck. Die Kette poltert über den Bug. Hier bleiben wir.