Steuerbock

Dieses Teil haben Sie wahrscheinlich noch nie gesehen. Der sogenannte Steuerbock sitzt bei Gamle Swede unter einer Konsole auf dem Reitbalken. Dort überträgt er die Drehbewegung des Rades per Zahnrad, Kette und Steuerseilen zum Quadranten achtern auf die Ruderwelle.

Die Spannhülse des Mitnehmers ist mit einem selbsts

Die Spannhülse des Mitnehmers ist mit einer selbstsichernden Mutter gegen Herausrutschen gesichert – Foto malsegeln

Die im Winter 18/19 laufende Überholung des Steuerstands bot Gelegenheit, den Steuerbock unter die Lupe zu nehmen. Seit ich mal bei einem Schwedentörn mit wabbeligem Mitnehmer und beinahe durchdrehendem Rad bei viel Wind durch die steinigen Schären kreuzte, prüfe ich die in der Achse steckende Spannhülse regelmäßig. Sie steckt im Mitnehmer für das Zahnrad hinter der Unterlegescheibe und selbstsichernden Mutter als Schutz gegen Rausrutschen. Eine teils rausgerutsche Spannhülse blockiert das Rad.

Zunächst fällt beim demontierten Steuerbock eine gewisse Schwergängigkeit der Achse für das Steuerrad auf. Sie sitzt in einem sogenannten Gleitlager in Bronzebuchsen. Bisher hatte ich die Zähigkeit den wiederholt gewechselten Ruderlagern zugeschrieben und auf schleichende bis automatische Besserung durch Gebrauch (Segeln bei viel Wind und Seegang) gehofft. Es gibt ganz wenige Themen, die sich an Bord durch schlichte Nutzung lösen.

Küchenreparatur: Der Steuerbock mit Schraubschlüssel auf der Achse für das Steuerrad – Foto malsegeln

Ich frage Peter Förthmann, den Hamburger Spezialisten für Selbststeueranlagen, der sich mit der leichtgängigen Lagerung verschiedener Metalle im korrosiven Seeklima auskennt. Der technisch versierte Mister Windpilot empfiehlt eine Reinigung mit WD40 oder Kriechöl, um zunächst mal den Schmutz aus dem Lager zu waschen. Für mich eine klassische Küchenreparatur, die sich mit reichlich Kriechöl über einer Ölwanne gut machen lässt. Dabei wird die Achse viel gedreht. Tatsächlich tropft nach einer Weile schwarzes Öl in die Wanne. Zwar bringt die Maßnahme etwas. Dennoch bleibt die Zähigkeit der Achse. Sie hat anscheinend eine leichte Unwucht.

Angesichts zahlreicher anderer Arbeiten am Boot muß sie zunächst so bleiben. Ich werde den Steuerbock später nochmal ausbauen und die Achse mit sogenanntem Schleifleinen eine Idee schlanker schleifen. So empfiehlt es Förthmann. Oder ich lasse von Segelfreund Uli eine neue Achse drehen – ohne Termindruck der bevorstehenden Segelsaison. Uli lebt in Neubrandenburg und ist von Beruf Dreher. Zu DDR-Zeiten hielt er in der sogenannten Panzerbude für die Russen das schwere Gerät gefechtsklar. Dieses Knowhow sollte für Gamle Swede reichen.

  • Sie wissen jetzt genau, warum Sie kein Boot haben
  • falls Sie ein Schiff mit Radsteuerung segeln: bei nächster Gelegenheit mal die Mechanik angucken
  • je mehr Sie bei einem Boot aufmachen, desto mehr Arbeit ergibt sich
  • ohne den richtigen Peter und Uli geht es nicht
  • dieser Job passt besser in den Oktober als April
  • der Weg zur seglerischen Fidelity mit leichtgängigem Rad ist lang

Dank an Peter Förthmann von der Firma Windpilot. Foto oben von malsegeln: Blick von vorne auf den gereinigten Steuerbock