Sprechen Sie Deutsch?

Ich schon. Deshalb rede ich mit Gästen an Bord Deutsch statt Nautisch. Natürlich hat die Seglersprache den Vorteil, für jedes Bauteil eines Bootes in jeder Situation an Bord den richtigen Begriff parat zu haben. Da gibt es keine Mißverständnisse, sofern jeder an Bord diese Fachsprache versteht. Nautisch besteht aus sage und schreibe 5.500 Begriffen: von Achter- und Backstag, über Cunningham, Dirk bis hin zum Zwölfer. Falls es Sie interessiert: Das läßt sich im Segler Lexikon von Joachim Schult auf 665 Seiten nachschlagen. Da ist jedes Stichwort, gleich mit der englischen Übersetzung, die Seglersprache kommt ja weitgehend aus dem Englischen, sehr gut erklärt. Dieses nützliche Buch bekommen Sie für kleines Geld bei Ebay.

Doch geht es ja schon mit Backbord und Steuerbord los. Was war jetzt davon nochmal Links und was Rechts? Sehen Sie: Deutsch hat den unschlagbaren Vorteil, dass es jeder an Bord versteht. Deshalb spreche ich an Bord lieber Deutsch als Nautisch. Ich sage links und rechts, vorne und hinten. Dabei nehme ich in Kauf, von Nachbarn im Hafen verächtlich als Landratte betrachtet zu werden. Denn der Fachmann sagt halt Back- und Steuerbord, Bug und Heck, oder Achtern.

Wenn dann später auf dem Wasser die Segel gesetzt sind, schweift der Blick der Segelfreunde meist in die Takelage. Dann kommt die Frage, wofür wir bei jeder Wende nicht nur „das vordere Seil für die Fock“, die Vorschot, sondern auch einen der hinteren Haltedrähte zwischen Deck und Mast lösen und den anderen anziehen. Dann ist Gelegenheit, die Sache mit den Backstagen zu erklären. Ist übrigens ziemlich interessant, was man damit alles machen kann. Das Vorstag stramm ziehen (durchsetzen), den Mast gerade stehen lassen oder ihn mit einem weiteren Stag, dem Achterstag biegen. Klingt kompliziert, ist aber beim Blick in die Takelage einfach zu verstehen. Weil es umständlich wäre, vom vorderen Haltedraht des Mastes, statt dem Vorstag zu reden, und den hinteren Haltedrähten, es gibt mit den beiden Backstagen und dem Achterstag drei, erleichert etwas Nautisch das Bordleben enorm.

Jede Leine ist beschriftet © Erdmann Braschos

Jede Leine ist beschriftet © Erdmann Braschos

Und weil Gamle Swede schon länger mit Gästen unterwegs ist und ich nach jedem seglerisch entbehrungsreichen Winter auch selbst erst mal schauen muß, wo was ist, habe ich an Bord das Großfall, die Dirk (Großbaumhochhalter), den Unterliekstrecker, Reff 1 und Reff 2, das Fockfall, das Spinnakerfall und den Topnant (Spinnakerbaumhochhalter) und den Niederholer (Spinnakerbaumrunterzieher) ebenso wie weitere Verstellmöglichkeiten an Deck beschriftet.

Links und Rechts sage ich aber trotzdem. Es wird einfach zu oft überlegt, wo was ist. Außerdem habe ich manchmal den Eindruck, dass Segler ihren Fachjargon wie eine Monstanz vor sich hertragen und mit ihrem Nautisch Eindruck schinden wollen. Angeben finde ich blöd. Wir wollen doch bloß gut Segeln und eine schöne Zeit draußen auf dem Wasser haben, oder? Das geht auf Deutsch, ergänzt um eine zumutbare Portion Nautisch, am besten.

© Foto oben Erdmann Braschos