Lauschig Segeln

Neulich begleitete ich ein Ehepaar aus Luxemburg für ein verlängertes Wochenende ab Freitagmorgen zu einer Runde durch die Lübecker Bucht. Georges war schon mal auf dem Wasser. Seine Frau war noch nie segeln, wollte das Metier erst mal kennenlernen. Entsprechend ruhig gingen wir die Sache an.

Angesichts des absehbar schönen Wetters mit leichtem Wind hatte ich einen Törn nach Kühlungsborn vorgeschlagen, wo man in der gepflegten Marina gut liegt und abends am Strand oder auf der erhöhten Promenade schön spazieren gehen kann. Von dort sollte es nach Boltenhagen gehen, wo man nachmittags in die landschaftlich wunderbare, ringsum geschützte Wohlenberger Wiek wie in einen Binnensee segelt. Ein schöneres Finale für einen Segeltag kenne ich kaum. Die Marina Weiße Wiek punktet ebenfalls mit komfortablen Liegeplätzen an Schwimmstegen und guten Waschräumen. Sonntag sollte es dann bei Nordost 3-4 mit einem flotten Kurs auf Backbordbug nach Fehmarn zurück gehen.

Wenn sich der Wind nicht an die Vorhersage hält, gibt es zwei Möglichkeiten. Man dieselt einen Großteil der 24 Meilen vom Fehmarnsund bis Kühlungsborn. Nun waren wir aber zum Segeln statt Motoren verabredet. Also nutzten wir die Flaute südlich von Fehmarn zum Mittagessen. Es gab formidablen, von Claudia zuhause vorbereiteten Gulasch. Kaum lag das vorgespülte Geschirr in der Pantry, setzte ein köstlicher West mit drei, vier Windstärken ein. Solche Butter- und Sahnebedingungen nutzt man besser mit einem Am Wind-Kurs, statt raumschots bei vergleichsweise langsamer Fahrt zu schwitzen. Also segelten wir Richtung Grömitz statt Kühlungsborn. Ich stellte die Segel ein, zeigte Georges wie er am Steuer aus der steten Brise sieben bis acht Knoten macht und ließ ihn für Stunden spielen.

Georges steuerte das Boot den ganzen Nachmittag mit großem Genuss zunächst bis Dahmeshöved. Die Kreuz ab Dahmeshöved bis Grömitz (auf direktem Kurs sind das ganze sieben Meilen) in glattem Wasser war ein Fest, auch weil wir eine Weile auf den Wind gewartet hatten. Gegen Nachmittag hatte Georges den Bogen raus. Er hielt das Boot nahezu perfekt am Wind.

Das große Becken der Grömitzer Marine ist mittlerweile überwiegend von großen Motoryachten belegt. Wir fanden dennoch einen Platz. Georges und Claudia erkundeten mit einem Spaziergang die Promenade und die Seebrücke. Ringsum zufrieden kümmerte ich mich vor dem Abendessen um ein paar Kleinigkeiten am Boot.

Samstagmorgen war der Wind wie gestern zunächst unschlüssig. Dann setzte sich ein konstanter Nordost mit zwei, später drei Windstärken durch. Die Lübecker Bucht war blau, das Wasser funkelte wie das Mittelmeer. Die weißen Wattebäusche der Schönwetterwolken über Wismar, Poel bis hinüber  nach Kühlungsborn wichen einem strahlenden Himmel.

Wieder ideale Bedingungen für Georges zum Steuern. Eine Speiche links, eine Speiche rechts am Rad: an das Optimum aus Höhe am Wind und Geschwindigkeit tastet man sich am besten in Ruhe und unkommentiert heran. Es fällt mir nicht immer leicht die Klappe zu halten, wenn das Boot mit dichten Schoten auf mal auf Halbwindkurs und mal zu dicht am Wind parkt. Aber es ist eine Übung, die ich noch lernen kann und bei ich ich langsam besser werde. Zu meiner Erleichterung ließ Georges die eine mittelgroße Hanse nicht vorbei, sondern achteraus im Kielwasser verblassen. Wir hatten unsere Pläne dem Wind angepasst und eine wunderbare Zeit auf dem Wasser. Ein lauschiger Segelausflug auf die Lübecker Bucht.