Länge läuft

Länge läuft

Es ist eine vielzitierte Seglerweisheit: je länger das Boot, desto schneller ist es. Gamle Swede ist mit 16 Metern und knapp 13 m Konstruktionswasserline unterwegs. Als Konstruktionswasserlinie wird die Länge des stehenden Bootes bezeichnet. Diese streckt sich beim Segeln durch die Überhänge am Bug und Heck auf  14 – 15 m. Demnach liegt die Rumpfgeschwindigkeit bei neun Knoten. Ein Segelboot mit zehn Metern Wasserlinie ist 15 Prozent langsamer*.

Blick unter den schlanken langen Rumpf © Erdmann Braschos

Blick unter den schlanken langen Rumpf © Erdmann Braschos

8 ½ bis 9 Knoten erreicht Gamle Swede bei frischem bis kräftigem Wind ohne weiteres, auch am Wind – sofern es keinen bremsenden Seegang gibt. Bei Wellen geht das Tempo dann leider deutlich runter. Deshalb sind am Wind Kurse mit leicht gefierten Schoten, wo der Windex genannte Windrichtungsanzeiger gerade außerhalb des Sektors liegt, in glattem Wasser so beliebt. Dieses Nirwana beginnt bei fünf Windstärken. Es zaubert ein zufriedenes Grinsen in das Gesicht der Steuerfrau oder des Steuermanns. Dann zieht Gamle Swede an fast jedem Ostseesegler mühelos vorbei. Eine Herausforderung ist es, am Wind oder kreuzend so schnell zu Segeln wie andere Motoren. Ein großer Spaß ist es, wenn es auch noch klappt. Zur Geschwindigkeit hinzu kommt die interessante Höhe am Wind und die geringe Abdrift.

Bündige Borddurchführung © Erdmann Braschos

Bündige Borddurchführung © Erdmann Braschos

Gamle Swede Ruder Profilierung © Peter Andrin Steiner

Gamle Swede Ruder Profilierung © Peter Andrin Steiner

Das von einem Spezialisten 2014 neu profilierte Ruder, der neue Propeller, dessen drei Flügel sich beim Segeln von selbst in die widerstandsarme Nullstellung drehen, tragen dazu bei. Ebenso die bündig ins Boot eingelassenen statt bremsend aus dem Rumpf ragenden Borddurchführungen für die Zu- und Abflüsse. Ein Regatta- statt Tourenseglerstandard, der natürlich beibehalten wird.

Aufmerksames Segeln mit einem zum Wind passenden Segeltrimm und ebensolches Steuern mit sparsamen Kurskorrekturen lassen Gamle Swede laufen. Obwohl der schlanke Rumpf reichlich Schräglage verträgt und bei passender Besegelung kaum luvgierig wird, lohnen mehr als 25 Grad Krängung nicht. Bei zunehmendem Wind segelt Gamle Swede nach einem Vorsegelwechsel, dem ersten oder zweiten Reff im Großsegel, aufrechter und besser. Im Vergleich zum modernen Komfortkeuzer mit Rollanlagen ist Gamle Swede eine sportliche Angelegenheit – macht aber Welten mehr Spaß.

*Hier die Formel: Rumpfgeschwindigkeit in Knoten = √der Wasserlinie in Metern x 2,43

© Foto oben: Sörern Hese/Sailpower