Leichtwind Regatta im Fehmarnsund

Die Textur des Meeres

Dreißig Boote vom Drachen über klassische Schärenkreuzer bis hin zu Gamle Swede sind auf der Regattabahn. Das laue Lüftchen füllt den 130 qm Spinnaker gerade noch. Der aus Berlin zur Schlank & Rank-Regatta angereiste Segelfotograf Sören Hese hat seine liebe Not. Bei diesem Hauch von Wind gibt’s langweilige Bilder.

Aber Hese weiß sich zu helfen. Er hält die Kamera ins Wellental des fahrenden Fotobootes, und zwar so tief, dass es aussieht, als hätte die Regatta auf dem bewegten Nordatlantik stattgefunden. Hese berichtet von etwa Fünftausend Aufnahmen bereits in der ersten Saison 2015 mit dieser Technik. Dabei muss die Kamera ohne Blick durch den Sucher oder auf den Monitor nah über das Wasser gehalten und während einer zwanziger Serie Millimeterweise abgesenkt werden. „Die Lichtverhältnisse müssen stimmen und man muß sehr nah ran gehen, damit das Boot auf den Weitwinkelfotos noch formatfüllend zu sehen ist. Manchmal bist Du weniger als einen Meter am Boot dran. Das Weitwinkelobjektiv oder die noch kürzere Brennweite des 10,5 mm Fischauge und große Tiefenschärfe zeigen das Wasser unmittelbar vor der Linse ebenso scharf wie das Boot dahinter.“

Neu ist die wassernahe Fotografie übrigens nicht. Der Bayer Ulli Seer perfektionierte die Technik bereits vor über 20 Jahren für seine Windsurf-Fotografie mit Aufnahmen, welche die Über- und Unterwasserwelt in einem Bild als sogenanntes Split-Level festhält. In der Yachtfotografie wurde der Italiener Carlo Borlenghi zum international beachteten Pionier dieser Machart. Er machte aus der Not mediterraner Flautentage einen gern gesehenen Stil. Borlenghi kehrt ungern ohne gescheite Bilder nach Mailand zurück.

Das Hese-Foto hängt bei mir in der Küche. Gamle Swede zieht auf der Bühne des vorne gletschergrünen, dahinter silbergrauen Meeres ihre Bahn. Angesichts dieser Aufnahme schmunzele ich über den Unterschied der dokumentarischen zur inszenierten Fotografie. Aber ein übliches Bild vom Flautenschieben aufgenommen aus 1,50 m Höhe hinge nicht in meiner Küche. Das Foto mit der Textur brillant eingefrorener Wasserblasen, den langen Atem des Meeres zeigend, schon. Obwohl der Fehmarnsund an diesem Tag glatt wie der Petersdorfer Ententeich war.